Die Reise des Kaisers zum Mond
Das Jahr ist 712 nach christlicher Zeitrechnung, der Schauplatz ist die große Stadt Chang’an, was „Ewiger Friede“ bedeutet. Die Stadt ist die Hauptstadt der Tang-Dynastie, die als die ruhmreichste und blühendste Dynastie in der 5000-jährigen Geschichte Chinas gilt. Es ist die Zeit der Herrschaft des neuen „Himmelssohns“, Kaiser Tang Xuanzong.
Dieser war zwar nicht der älteste, aber der talentierteste Sohn des Kaisers Ruizong. So wurde er zum Nachfolger bestimmt und bestieg im Alter von 27 Jahren den Thron, während sich Unruhen im Kaiserpalast zusammenbrauten.
Er lernte gerne den Dao, den Weg des Universums. Xuanzong lud oft bekannte daoistische Meister in seinen Palast ein und freundete sich mit Meister Zhang Guolao an, der zu den „Acht daoistischen Unsterblichen“ zählte und dafür berühmt war, dass er rückwärts auf seinem Esel ritt. In der daoistischen Tradition gibt es viele Geschichten über zauberhafte Heldentaten, und versierte Daoisten führten dem Kaiser manchmal ihre Fähigkeiten vor. Und dann passierte es eines Tages.
Es war im ersten Jahr von Xuanzongs Herrschaft, als ein daoistischer Meister ihn zu einer außergewöhnlichen Exkursion einlud: einer Reise in den Mondpalast. Der alte daoist warf seinen Stab in den Himmel. Dort verwandelte er sich in eine gigantische silberne Brücke, die bis in den Himmel reichte und in Richtung des Erdsatelliten verschwand. Der Daoist und der Kaiser traten auf die Brücke und verließen den Planeten.
Sie stiegen eine Weile auf, dann wurden sie von einem großartigen Leuchten vor ihnen geblendet. Als sie den Mond erreichten, fanden sie sich vor den Toren einer großen Stadt wieder. Dies, so erklärte der daoist, sei der Mondpalast.
Im Mondpalast tanzten wunderschöne himmlische Feen. Einige ritten auf magischen weißen Vögeln, während andere Musikinstrumente spielten und im großräumigen Hof, der von immergrünen Pflanzen umgeben war, tanzten.
„Was tragen sie denn für Kostüme?“, fragte Xuanzong den alten Daoisten.
„Sie heißen ‚Regenbogenröcke, Federkleider‘“, erwiderte der Daoist. „Sie spielen eine Melodie, die ‚Lila Wolken Melodie‘ heißt.“
Xuanzong prägte sich die Melodie fest ein. Bald war ihr kurzer Besuch vorüber, und der alte Daoist und Xuanzong stiegen wieder zur Erde hinab, zurück in den Hof des Kaiserpalasts in der Hauptstadt Chang’an. Dort konnte Xuanzong in der stillen Nacht, die nur vom Licht des Mondes erleuchtet wurde, den Klang des Feentanzes vernehmen. Er schrieb sofort die Musik und den Tanz nieder.
Bis heute wird „Regenbogenröcke, Federkleider“ auf Erden aufgeführt. Vielleicht werden eines Tages die himmlischen Feen vom Mondpalast herabsteigen und uns mit ihrem Besuch beehren.
Der 2013 von Shen Yun aufgeführte Tanz „Die Reise des Kaisers zum Mond“ wurde von dieser Geschichte inspiriert.
17. September 2013
